Berufsunfähigkeitsversicherung für Zahnärzte:
Was tun, wenn die Unterlagen von Krankenkasse und KV zurück sind?

Bild zum Blogbeitrag - Berufsunfähigkeitsversicherung: was tun wenn die Dokumente der Krankenkasse zurückkommen

 

Sie haben die Unterlagen bei Ihrer Krankenkasse und den kassenärztlichen Vereinigungen angefordert – sehr gut. Jetzt beginnt der zweite, oft unterschätzte Teil: die Auswertung und Einordnung, bevor überhaupt ein Antrag gestellt wird. Denn erst wenn klar ist, was wirklich relevant ist, können die Gesundheitsfragen sauber und vollständig beantwortet werden..

Und dann passiert oft Folgendes:

Man sitzt plötzlich vor 20 bis 30 Seiten ICD-Codes, Abrechnungen und medizinischen Begriffen – und fragt sich:

Was davon ist relevant?
Was muss wirklich angegeben werden?
Und was bitte ist das überhaupt?

Keine Sorge: Genau hier beginnt unsere eigentliche Arbeit.

 

Warum zwei Datenquellen unverzichtbar sind

 

Krankenkasse (§ 305 SGB V)

Die Unterlagen der Krankenkasse enthalten in der Regel:

  • gesicherte Diagnosen (G)
  • Verdachtsdiagnosen (V)
  • Ausschlussdiagnosen (A)

👉 also alles, was jemals abgerechnet oder dokumentiert wurde – unabhängig davon, ob sich etwas bestätigt hat.

 

Kassenärztliche Vereinigungen (Art. 15 DSGVO i. V. m. § 83 SGB X)

Die KV-Unterlagen enthalten meist:

  • nur gesicherte Diagnosen

Theorie vs. Praxis

Rein theoretisch müssten beide Informationsquellen identisch sein.

In über 20 Jahren Praxis haben wir das kein einziges Mal erlebt.

Genau deshalb ist es so wichtig, beide Stellen abzufragen. Nur so entsteht ein vollständiges und belastbares Bild.

 

Der nächste Schritt: Probeweise Übertragung in den Antrag

Jetzt wird es ernst – und heikel.

Wir übertragen die Informationen probeweise in die Gesundheitsfragen der Versicherer, um zu prüfen:

  • was relevant
  • was nicht relevant
  • und was klärungsbedürftig ist

Wichtig:

Versicherer fragen nicht nur nach vergangenen Arztbesuchen, sondern auch nach:

  • aktuellen Beschwerden,
  • selbst wenn man noch nicht beim Arzt war.

Stark zusammengefasste typische Gesundheitsfragen (Beispiel)

(verkürzt, sinngemäß, ohne Detailauflistungen)

  1. Bestehen aktuell Beschwerden oder Krankheiten?
  2. Gab es in den letzten Jahren Behandlungen, Untersuchungen oder Diagnosen?
  3. Bestehen dauerhafte oder wiederkehrende gesundheitliche Einschränkungen?
  4. Gab es psychische Beschwerden, Stressreaktionen oder Krisen?
  5. Wurden Medikamente regelmäßig oder längerfristig eingenommen?
  6. Gab es stationäre Aufenthalte oder Operationen?
  7. Bestehen sonstige gesundheitliche Besonderheiten, die relevant sein könnten?

👉 Entscheidend ist nicht, wie man selbst etwas bewertet, sondern wie es dokumentiert ist.

Was tun, wenn etwas auftaucht, das man nicht kennt?

Das passiert häufig – und ist kein Drama.

Dann heißt es:

➡️ Kontaktaufnahme mit der behandelnden Ärztin / dem behandelnden Arzt

 

Der größte Fehler (bitte nicht machen):

  • wütend schreiben
  • Vorwürfe formulieren
  • „Das stimmt so nicht!“

Das führt fast immer zu Abwehr.

 

Warum?

Ärztinnen und Ärzte erhalten solche Anfragen oft in zwei Kontexten:

    1. Haftung / Behandlungsfehler → Alarmstufe Rot
    2. Versicherungsaufbereitung → völlig unkritisch

👉 Unsere Aufgabe ist es, klarzumachen, dass Fall 2 vorliegt.

 

Der Schlüssel zum Erfolg: „Helper High“ aktivieren 

Der Ton macht die Musik.

Der beste Einstieg lautet fast immer:

„Liebe Frau Doktor, ich brauche Ihre Hilfe.“

Damit ist klar:

  • keine Schuldzuweisung
  • kein juristischer Angriff

sondern ein gemeinsames Ziel

Beispiel 1: Anfrage wegen auffälliger Diagnosen (anonymisiert)

Betreff: Bitte um kurze Unterstützung – Gesundheitsunterlagen BU

Sehr geehrte Frau Dr. Zahn,

ich bereite aktuell den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung vor und arbeite hierzu meine Gesundheitshistorie auf.

Dabei ist mir aufgefallen, dass in den Abrechnungsunterlagen aus dem Jahr XXXX folgende Diagnosen dokumentiert wurden:

  • Essentielle Hypertonie (nicht näher bezeichnet)
  • Herzrhythmusstörung (nicht näher bezeichnet)

Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir kurz bestätigen könnten, ob es sich hierbei um Verdachtsdiagnosen handelte, die sich im weiteren Verlauf nicht bestätigt haben und situationsbedingt (z. B. sportlich) ausgelöst waren.

Zusätzlich bitte ich um eine Kopie der Patientenakte aus diesem Zeitraum, damit ich gegenüber dem Versicherer vollständige und korrekte Angaben machen kann.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung.

Mit freundlichen Grüßen

[Name]

 

Beispiel 2: Psychische Verdachtsdiagnosen (anonymisiert & angepasst)

Betreff: Unterstützung bei Gesundheitsaufarbeitung – BU-Antrag

Sehr geehrter Herr Dr. Zahn,

ich benötige Ihre Hilfe bei der Aufarbeitung meiner Gesundheitshistorie für den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung.

In den Unterlagen finden sich Diagnosen aus einem Behandlungszeitraum, die nach meinem Verständnis im Zusammenhang mit einer akuten familiären Belastungssituation standen. Nach meiner Erinnerung handelte es sich um eine einmalige Vorstellung, ohne längerfristige Behandlung, Medikation oder Krankschreibung.

Für den Versicherer ist es wichtig, dass bestätigt wird, dass:

  • es sich um Verdachtsdiagnosen handelte,
  • keine dauerhafte psychische Erkrankung vorlag und
  • keine weiterführende Therapie angeraten oder durchgeführt wurde.

Ich wäre Ihnen sehr dankbar für eine kurze schriftliche Bestätigung.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung.

Mit freundlichen Grüßen

[Name]


Warum diese Sorgfalt entscheidend ist

Nach dieser Aufbereitung haben wir alles getan, um den häufigsten Ablehnungsgrund bei BU-Leistungsfällen auszuschließen:

👉 falsch oder unvollständig beantwortete Gesundheitsfragen

Trotzdem kann es auch dann noch zu Streitigkeiten kommen – etwa weil:

  • Krankheitsbilder komplex sind
  • Verläufe schwer prognostizierbar sind
  • juristische Auslegungsspielräume bestehen

Eine BU leistet, wenn eine Zahnärztin oder ein Zahnarzt dauerhaft mindestens 50 % der beruflichen Tätigkeiten nicht mehr ausüben kann – also nicht nur „an der Einheit“, sondern alles, was zur Arbeit dazugehört: von der Planung und Vorbereitung nach dem Aufstehen, über die körperliche Arbeit am Behandlungsstuhl, Assistenz- und Organisationsaufgaben, bis hin zu Telefonaten, Abrechnung, Dokumentation und Schreibtischarbeit – inklusive allem, was rund um den Praxisalltag notwendig ist.


Unser klarer Rat: BU 
plus Rechtsschutz

Gerade wegen:

  • Gutachterkosten
  • Anwaltskosten
  • Gerichtskosten

empfehlen wir immer zusätzlich eine Rechtsschutzversicherung, um im Ernstfall nicht aus Kostengründen auf berechtigte Ansprüche verzichten zu müssen.

 

Fazit

Wer die Unterlagen von Krankenkasse und KV richtig liest, richtig einordnet und sauber aufarbeitet, macht den entscheidenden Unterschied.

Eine gute BU scheitert selten am Tarif – sondern fast immer an der Gesundheitsaufbereitung.

👉 Berufsunfähigkeit richtig absichern – ohne böse Überraschungen

Lassen Sie Ihre BU-Absicherung von Anfang an sauber aufsetzen.
Wir bereiten Ihre Gesundheitsdaten so auf, wie Versicherer sie im Leistungsfall prüfen – vollständig, belastbar und rechtssicher.
Damit Ihre BU im Ernstfall zahlt. Punkt.

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