PKV-Bilanzkennzahlen entschlüsselt – Die finanzielle DNA Ihrer Krankenversicherung verstehen
Die private Krankenversicherung (PKV) gehört zu den wichtigsten Absicherungen für Zahnärztinnen und Zahnärzte – und gleichzeitig zu den emotional aufgeladensten Themen überhaupt.
Die letzten Jahre haben viele verunsichert:
20–30 % Kostensteigerungen im Krankenhausbereich, in der Pflege, bei Arzneimitteln und medizinischen Dienstleistungen sorgen dafür, dass die PKV-Beiträge steigen – heute, morgen und absehbar auch in Zukunft.
Dadurch stellen sich viele Fragen:
- Bin ich beim richtigen Versicherer?
- Ist mein Tarif überhaupt zukunftsfähig?
- Warum erhöhen manche Versicherer stärker als andere?
- Wie erkenne ich, ob meine PKV langfristig stabil ist?
Die gute Nachricht:
Sie können das tatsächlich selbst erkennen – wenn Sie wissen, wie man PKV-Bilanzkennzahlen liest.
Dieser Blog erklärt Ihnen als Zahnarzt oder Zahnärztin verständlich, worauf es ankommt.
Ohne Zahlenchaos.
Ohne Fachchinesisch.
Ohne Marketing.
Sondern so, dass Sie es wirklich verstehen und für Ihre Zukunft nutzen können.
Warum Bilanzkennzahlen für Zahnärzte entscheidend sind
Die PKV ist kein Produkt für 3 oder 5 Jahre –
sie begleitet Sie oft 40–50 Jahre Ihres Lebens.
Deshalb reicht es nicht aus, nur zu fragen:
- „Welche Leistungen hat mein Tarif?“
- „Was kostet er heute?“
Die wichtigere Frage lautet:
Wie gesund ist das Unternehmen, dem ich meine medizinische Versorgung anvertraue?
Denn ein Versicherer kann nur dann stabile Beiträge und solide Leistungen bieten, wenn er finanziell gesund ist – exakt wie eine Zahnarztpraxis auch.
Genauso wie Sie die Qualität einer Praxis nicht an einer einzigen Behandlung beurteilen würden, dürfen Sie einen Versicherer nicht an einem einzigen Tarif festmachen.
Sie müssen das Unternehmen dahinter verstehen.
Der PKV-Gesundheitscheck: Welche Kennzahlen wirklich zählen
Wir betrachten die PKV wie eine Zahnarztpraxis – nach denselben wirtschaftlichen Prinzipien:
- Das Fundament: Stabilität & Sicherheit
- Der Maschinenraum: Wirtschaftlichkeit & Effizienz
- Die Zukunftsreserve: Altersrückstellungen & Beitragspolitik
- Die Serviceebene: Kosten, Struktur, Strategie
Das Gesamtbild: Welche Strategie verfolgt das Unternehmen?
Der PKV-Gesundheitscheck – Die 7 Kennzahlen
- Eigenkapitalquote – Stabilität & Sicherheit
- RFB & Zuführung – Zukunftskasse
- Ergebnisquote – Wirtschaftlichkeit
- Nettoverzinsung – Kapitalanlagequalität
- Abschluss- & Verwaltungskosten – Strategie & Effizienz
- Schadensquote – Leistungsqualität
- Altersrückstellungen – Beitragssicherheit im Alter
➜ Erst die Summe dieser Faktoren zeigt, ob ein Versicherer langfristig verlässlich arbeitet.
1. Eigenkapitalquote – das Sicherheitspolster des Versicherers
Wie viel finanzielles Fleisch sitzt auf den Knochen?
Die Eigenkapitalquote zeigt, wie gut ein Versicherer in Krisen gewappnet ist:
- Marktverluste
- Schadenentwicklungen
- wirtschaftliche Schwankungen
Die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) stuft Quoten unter 5 % als kritisch ein.
Hohe Eigenkapitalquote = hohe Stabilität = weniger Risiko für extreme Beitragssprünge.
Für Zahnärzte bedeutet das:
Sie sollten sich bei einem Versicherer absichern, der nicht beim ersten wirtschaftlichen Gegenwind ins Wanken kommt.
2. RFB-Quote & RFB-Zuführung – die „Zukunftskasse“ Ihrer PKV
Die Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RFB) ist das Sicherheitsnetz für:
- zukünftige Beitragserhöhungen
- Bonuszahlungen für leistungsfreie Jahre
Sie zeigt, wie viel der Versicherer für seine Versicherten zurückgelegt hat.
Doch viel wichtiger ist:
RFB-Zuführungsquote = Wie viel wird JETZT neu zurückgelegt?
Ein hoher RFB-Bestand ohne hohe Zuführung ist wie eine Zahnarztpraxis mit 200.000 € auf dem Konto – die aber seit zwei Jahren kein Plus mehr erwirtschaftet.
Die Substanz zählt, aber noch wichtiger ist:
Wie arbeitet das Unternehmen HEUTE?
3. Versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote – das ehrliche Herzstück
Dies ist die aufschlussreichste Kennzahl überhaupt.
Sie zeigt, ob der Versicherer mit dem reinen Krankenversicherungsgeschäft Gewinn oder Verlust macht – unabhängig von Kapitalanlagen oder Einmaleffekten.
Positiv = Versicherer wirtschaftet stabil
Negativ = Warnsignal
Wenn ein Versicherer nur durch Kapitalerträge überlebt, ist das wie eine Zahnarztpraxis, die jeden Monat Verlust macht, aber von Steuererstattungen oder Nebenumsätzen lebt – etwa DVT-Aufnahmen für Überweiser –, während der eigentliche Praxisbetrieb nicht profitabel ist.
Das geht eine Zeit lang gut – aber nicht dauerhaft.
4. Nettoverzinsung – wie gut arbeitet das Geld für Sie?
Kapitalanlagen sind der zweite Einnahmepfeiler der PKV.
Sie finanzieren:
- die Altersrückstellungen
- Beitragsstabilität im Alter
- Deckung steigender Gesundheitskosten
Wichtig:
Eine gute Verzinsung ist positiv – aber sie darf niemals das Kerngeschäft „überdecken“.
5. Abschlusskosten & Verwaltungskosten – oft missverstanden
Viele glauben:
„Niedrige Kosten = guter Versicherer.“
Das greift zu kurz.
Es kommt darauf an, warum die Kosten niedrig oder hoch sind.
Zahnarztpraxis-Beispiel:
Praxis A
- Hohe Kosten
- Moderner digitaler Workflow
- Intraoralscanner, OPG/DVT, moderner Steri
- Starkes Team
Hohe Effizienz und exzellente Patientenversorgung
Praxis B
- Niedrige Kosten
- Ältere Geräte
- Weniger Personal
Geringere Qualität und ineffiziente Abläufe
Genauso bei PKV-Unternehmen:
- Hohe Abschlusskosten → starkes Wachstum
- Hohe Verwaltungskosten → guter Service, Digitalisierung
- Niedrige Kosten → möglicherweise veraltete Strukturen
Es geht nicht um die Zahl, sondern darum, ob sie zur Strategie passt.
6. Schadensquote – wie viel Leistung fließt zu Versicherten zurück?
Eine hohe Schadensquote bedeutet NICHT, dass der Versicherer „schlecht“ wirtschaftet.
Im Gegenteil:
Hohe Schadensquote = hoher Leistungsanteil für Versicherte
In Kombination mit der Altersrückstellungs-Zuführung zeigt diese Kennzahl,
wie solide ein Versicherer Leistungen bezahlt.
7. Altersrückstellungen – der wichtigste Schutz vor hohen Beiträgen im Alter
Für Zahnärztinnen und Zahnärzte ist dies die entscheidende Kennzahl:
Wie viel wird jährlich in die Altersrückstellungen eingezahlt?
Je höher die Zuführung, desto stabiler bleiben Beiträge im Alter.
Versicherer mit niedrigen Zuführungen müssen steigende Gesundheitskosten oft direkt über Beitragsanpassungen weitergeben.
Abschluss: Ein Musterbeispiel – so erkennen Sie die Strategie eines PKV-Unternehmens
Zur Veranschaulichung ein vereinfachtes, aber realistisches Beispiel:
Versicherer A
- Hohe Abschlusskosten
- Niedrige Schadensquote
- Junge Versichertenstruktur
- Hohe Kapitalerträge
- Geringe Altersrückstellungs-Zuführung
Fokus auf Wachstum, viele junge Kunden, kurzfristig günstig.
Doch langfristig sind größere Beitragssprünge möglich.
Versicherer B
- Niedrige Abschlusskosten
- Hohe Schadensquote
- Hohe Altersrückstellungs-Zuführung
- Hohe RFB
- Ältere Versichertenstruktur
Fokus auf langfristige Beitragsstabilität.
Heute vielleicht etwas teurer – dafür später oft ruhiger und nachhaltiger.
Fazit für Zahnärztinnen und Zahnärzte
Bevor Sie Tarife vergleichen oder Wechsel erwägen, sollten Sie die finanzielle Gesundheit Ihres Versicherers beurteilen.
Bilanzkennzahlen beantworten die wichtigsten Fragen:
- Ist mein Versicherer langfristig stabil?
- Wie wahrscheinlich sind Beitragssprünge?
- Passt die Strategie zu meiner Lebensplanung?
- Bin ich wirklich im richtigen Unternehmen versichert?
Wer die Kennzahlen versteht, hat keine Angst mehr vor PKV-Beitragserhöhungen –
denn er weiß, warum sie passieren und welche Versicherer nachhaltig arbeiten.
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